Aktuelles

„Die Sonne, der Wein und der Wind der Zeiten“

©  Stefan Schomann

Armenien, dieses kleine Land am Südhang des Kaukasus, verfügt über alte und fruchtbare musikalische Traditionen. Doch durch die Massenmorde während des Ersten Weltkriegs und sieben Jahrzehnte Sowjetherrschaft war die Verbindung zu diesem Kulturkreis weitgehend unterbrochen. So dass die westliche Welt erst jetzt entdeckt, welche Reichtümer er hervorgebracht hat. Die liturgischen Gesänge gehören zur ältesten schriftlich überlieferten Musik der Welt. Ihre Bedeutung für das kulturelle Überleben der armenischen Nation kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Es ist eine Musik wie vom Grunde der Zeit, von fremdartiger Schönheit und spiritueller Kraft. Darin sind vorchristliche Kulte ebenso aufbewahrt wie die Lieder umherziehender Barden. Komponisten wie Tigran Mansurian oder Wache Scharafjan schöpfen aus diesem Fundus, und selbst die Jazz- und Pop-Szene kommt immer wieder darauf zurück. Zugleich todtraurig und voller Lebensfreude, schlägt diese Musik eine Brücke zwischen Orient und Okzident.

In einer knapp einstündigen Sendung unternehme ich eine musikalische Reise durch Armenien. Sie wurde am 24. April 2018 vom SWR ausgestrahlt, in der Reihe "Musik Global".

Bereits im vergangenen Jahr erschien im Tagesspiegel ein Beitrag über die herausragende Bedeutung der Musik für die armenische Identität: "Die Heimat des Schmerzes". Anlaß war die Bundestags-Resolution über „die Vertreibung und Vernichtung der Armenier im Osmanischen Reich“. Zahlreiche Kulturschaffende, insbesondere Musiker, haben sich dazu in einem Offenen Brief zu Wort gemeldet. 

and the winner is ...

©  Michel Mossessian

 

Parallel habe ich mich seit einiger Zeit auch mit der armenischen Diaspora beschäftigt. Und dabei für die Initiative der 100Lives einige Familiengeschichten aufgezeichnet. Ein wahrhaft episches Unterfangen, das eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Shoah-Projekt hat. Zuletzt erschien dort ein Porträt von Hratch Kaprielian.

Ein anderer Gesprächspartner war der Architekt Michel Mossessian. Als Sohn armenischer Flüchtlinge in Paris aufgewachsen, zählt er zu den international gefragtesten Architekten seiner Generation. Nun hat der heute 56jährige einen weiteren Wettbewerb für sich entschieden – den für das Museum des islamischen Glaubens in Mekka. Toutes mes félicitations, Michel! 

©  Michel Mossessian

„Orte zu schaffen, denen die Menschen sich zugehörig fühlen“, so umschreibt Mossessian die wichtigste Aufgabe seines Berufsstandes. Vor elf Jahren eröffnete er ein eigenes Büro in London, wo auch einige seiner bedeutendsten Bauten stehen. Zuvor bin ich seiner Arbeit bereits in Katar begegnet, wo er beim Großprojekt von Msheireb im Zentrum von Doha als einer der federführenden Architekten agiert.

 

 

Herausforderung Pferd

© Stefan Schomann

Mein neues Buch erzählt vom Reisen zu Pferd, von einer ganz anderen Art des Unterwegsseins. Dafür habe ich Völker besucht, die eine jahrhundertealte Reitkultur besitzen, und spektakuläre Landschaften durchstreift, die ohne die für sie gezüchteten Rassen kaum je besiedelt worden wären.

Wir erleben legendäre Wanderritte und Trekkingtouren mit, wir sitzen bei Beduinen am Lagerfeuer, überqueren mit Islandponys ganze Gletscher, besuchen stimmungsvolle Pferdefestivals, wir pirschen im Sattel auf Nashörner und ziehen hoch zu Ross durch die Vogesen. Von den prähistorischen Felsmalereien bis zu den „Pferdeflüsterern“ unserer Tage werden dabei Jahrtausende gemeinsamer Geschichte lebendig.

Das Buch ist dieser Tage im Picus Verlag erschienen. Am 15. Mai hatte es im Kunsthaus sans titre in Potsdam Premiere. Am Donnerstag, den 21. Juni, werde ich es im Deutschen Pferdemuseum in Verden vorstellen (19:30).

 

 

© Fridthjofur Helgason

Der Berg ruft!

Klangweg Toggenburg - © Stefan Schomann

Das Toggenburg im Kanton Sankt Gallen ist nicht nur eine Wiege des „schweizerischen Naturjodels“, sondern es bringt diese alpine Gesangstechnik auch mit den Vokaltraditionen anderer Weltgegenden zusammen. Überhaupt hat sich die Region den Beinamen eines „klingenden Tals“ erworben. Für den Deutschlandfunk bin ich dort auf Wanderschaft gegangen und habe in die alpine Klanglandschaft hineingelauscht.

Derzeit findet dort wieder das famose Festival der Naturstimmen statt, und als ein kleines Echo aus deutschen Landen ist mein Beitrag nun am 10. Mai ausgestrahlt worden.

 

 

Senntumschellen - ©  Stefan Schomann

Flötenzaun auf dem Toggenburger Klangweg - ©  Stefan Schomann
Schellenbaum auf dem Toggenburger Klangweg - © Stefan Schomann
Lithophon von Beat Weyeneth - © Stefan Schomann
Stilleben - © Stefan Schomann

Aus dem Nähkästchen

© Gao Yu-hui

 

Zum Jahreswechsel habe ich an der Chinesischen Medienhochschule in Peking, der Zhongguo Chuanmei Daxue, eine Schreibwerkstatt gegeben. Schwer zu sagen, für wen es lehrreicher war, für die Studenten oder für mich - jedenfalls sind wir fröhlich und wißbegierig ins neue Jahr gestartet.

Von Berserkern und Bestsellern

Die nordische Mythologie erzählt von den Berserkern, schrecklich wütenden Kriegern, welche die Kräfte von zwölf Männern auf einmal entfesselten. Doch gegen Joachim Meyerhoff erscheinen selbst sie als Schlafmützen. Schon als Autor leistet er ein unerhörtes Pensum, veröffentlichte drei Erfolgsbücher in nur fünf Jahren und legt nun das vierte vor. Doch von Hause aus ist Meyerhoff Schauspieler, einer der gefragtesten im deutschsprachigen Raum.

Auf dem Hamburger Theaterfestival bestach er kürzlich mit einem Soloprogramm: Die Welt im Rücken, nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Melle. Für das Magazin des Festivals habe ich versucht, mich diesem Phänomen namens Joachim Meyerhoff zu nähern. Im November folgte nun noch eine kleine Betrachtung über ihn als Erfolgschriftsteller – mittlerweile ist der vierte Band seiner Lebensbeschreibung erschienen, Die Zweisamkeit der Einzelgänger. Nachzulesen in 5 Plus, diesem wunderbaren Kulturmagazin einschlägiger literarischer Buchhandlungen.

 

 

Der unbequeme Held

Standbild von Isang Yun an der Gedenkstätte in Tongyeong - © Stefan Schomann

Isang Yun war der erste nicht-westliche Komponist in den Reihen der Avantgarde. Wirklich berühmt wurde er jedoch als Opfer eines Polit-Krimis mitten im Kalten Krieg. 1967 entführte der südkoreanische Geheimdienst ihn und seine Frau aus West-Berlin. Weltweiten Protesten verdankte er sein Leben und seine Freilassung nach zwei Jahren. Auch wenn sein Rang als einer der großen Einzelgänger der Moderne heute unbestritten ist, ist er im Westen doch bis heute der Exot geblieben, und seine Landsleute schwanken zwischen Ablehnung und Bewunderung. Ich habe mich auf Spurensuche in seiner südkoreanischen Heimat wie auch in seiner deutschen Wahlheimat begeben, habe Angehörige und Weggefährten befragt und die Schauplätze eines zerrissenen, aber bemerkenswert produktiven Künstlerlebens erkundet.

Im Tagesspiegel hatte ich bereits über das große Musikfestival in seiner Heimatstadt Tongyeong berichtet, das ganz im Zeichen Isang Yuns stand; anbei ein paar Impressionen. Im September folgte dann auf BR Klassik eine Sendung zu seinem 100. Geburtstag.

 

 

Konzerthalle Tongyeong - ©  Stefan Schomann

Ein koreanisches Trio mit Zia Shin, Yeol Eum Son und Myung-Wha Chung - © TIMF
Sooja Lee, die Witwe von Isang Yun, war Ehrengast des Festivals - © TIMF
Begleitet vom Hong Kong Chinese Orchestra, singt Yeree Suh Lieder von Isang Yun - © TIMF
Die Totenmaske von Isang Yun in der Gedenkstätte in Tongyeong - ©  Stefan Schomann
Konzerthalle Tongyeong - ©  Stefan Schomann

Familienzuwachs

"Und doch muß man China als ein unverstandenes,
fast möchte man sagen unbekanntes Land bezeichnen."

Ferdinand Freiherr von Richthofen

 

Seit bald zwanzig Jahren berichte ich nun aus China. Zu meiner Freude ist jetzt ein aktueller Band mit literarischen Reportagen herausgekommen: China – Streifzüge durch ein Weltreich. Er erzählt, wie Dorfschullehrer Li Jia-hong eine neue Menschenaffenart entdeckte. Oder wie Seilläufer Saimaiti Aishan hoch über der Schlucht eine Entscheidung traf. Wie Datong seine Vergangenheit neu erfand und Schanghai seine Zukunft. Und wie Zhao Tao mit der uralten Kunst des Erzählens nicht nur ein ganzes Dorf in ihren Bann zog, sondern ihren künftigen Ehemann gleich mit.

Das Buch ist kürzlich erschienen, in der Reihe Lesereisen des Picus Verlags. Im Laufe des Jahres soll nun auch die chinesische Ausgabe bei der Commercial Press herauskommen, noch um einige Geschichten erweitert. Schon im Vorfeld haben einige Zeitungen größere Berichte über meine Arbeit gebracht, etwa China Daily und die Global Times.

©  Robert Sokal

 

In Zusammenarbeit mit der Janusz Korczak Akademie hat die Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin eine Ausstellung über das erste und das letzte Ghetto gezeigt, also über die jüdischen Wohnviertel in Venedig und Schanghai. Dabei fand im Sommer 2017 auch die Buchpremiere statt. Mit über zweihundert Zuhörern – volles Haus! Neben dem neuen Buch war auch Letzte Zuflucht Schanghai einmal mehr präsent. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua widmete der Veranstaltung einen ausführlichen Bericht.

 

 

©  Konrad-Adenauer-Stiftung

Das Fest der Erzähler

Einmal im Jahr treffen sich Geschichtenerzähler aus ganz China zu einem großen Festival in einem unscheinbaren Dorf in Henan. Mit 1500 Teilnehmern und 300.000 Zuschauern zählt es zu den größten Volkskunstfesten der Welt.

Über alle historischen Umbrüche hinweg ist in China ein unverlierbarer Kern mündlicher Überlieferungen lebendig geblieben. Gemeinsam mit dem Fotografen Justin Jin war ich bei diesem Festival mit von der Partie und habe dort die Faszination einer uralten Profession erlebt. Sie führt auch an die Ursprünge unseres eigenen Metiers: Sprich mir, o Muse ...

Erschienen ist die Reportage im vergangenen Jahr in Terra Mater; in voller Länge ist sie im neuen China-Buch enthalten. Dafür habe ich jetzt eine Auszeichnung besonderer Art erhalten: Ich bin in aller Form zum Ehrenbürger von Ma Jie ernannt worden, und zum "Kulturbotschafter" obendrein. Beim Festakt im „Chinesischen Museum der Erzähler“ traten auch eine Reihe örtlicher Künstler auf. Anschließend folgte ein Hausbesuch bei Yü Shu-xi, dem Lokalmatador, der seit über achtzig Jahren am Festival teilnimmt. Jahrgang 1919, bezeichnete er mich neckisch als „jungen Spund“. Und gab aus dem Stegreif eine Privatvorstellung, zusammen mit einem 65jährigen Schüler … Anbei ein paar Bilder von der Feierstunde und ein Beitrag des regionalen Fernsehsenders.

©  He Wu-chang / Landkreis Baoshan

©  He Wu-chang / Landkreis Baoshan
©  privat
©  He Wu-chang / Landkreis Baoshan
©  He Wu-chang / Landkreis Baoshan

Fernsehbericht zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde von Ma Jie und zum Festakt im "Chinesischen Museum der Erzähler"

 

 

Italienische Reise

 

Im Hörverlag ist jetzt ein Hörbuch über unser aller Sehnsuchtsziel herauskommen. Es enthält auch zwei größere Geschichten von mir.

Einmal wandle ich auf den Spuren Antonio Vivaldis durch Venedig – auf Spuren, die merkwürdigerweise kaum mehr auszumachen sind, als hätte er in Wahrheit anderswo gelebt.

Und ich spüre dem Mythos der Dolomiten nach, diesem Inbegriff alpiner Faszination. Die Büllelejoch-Hütte liegt mittendrin im großen Felsentheater und doch ganz gut versteckt.

©  Stefan Schomann

© Stefan Schomann
©  Stefan Schomann
©  Stefan Schomann
© Stefan Schomann
©  Stefan Schomann

Begegnung mit der dritten Art

© Li Jia-hong

Vor zwei Jahrzehnten vernahm Lehrer Li einen unerhörten Gesang, ein forderndes Flehen aus den Tiefen des Urwalds. Und er verfiel ihm. Wann immer die Bauern ihm zutrugen, sie hätten „die schwarzen Affen“ gehört oder gar gesehen, versuchte er sie aufzustöbern.

Nach acht Jahren in den Bergwäldern Yunnans gelang ihm das erste Foto. Langsam lief die Maschinerie der internationalen Forschungsgemeinschaft an. Am Ende waren Spezialisten aus vier Kontinenten damit befasst. Im Mai 2017 veröffentlichten sie ihre Ergebnisse im American Journal of Primatology. Dorfschullehrer Li Jia-hong hat eine neue Menschenaffenart entdeckt.

Sie gehört zur Familie der Gibbons. Auf chinesischem Gebiet dürften weniger als zweihundert davon leben. Möglich, dass es drüben in Burma noch ein paar mehr gibt, doch darüber weiß man nichts. Verglichen damit scheint die Situation des Großen Panda mit zehnmal so vielen Exemplaren beinah komfortabel.

Im Focus (Heft Nr. 13) habe ich den Hergang dieses wissenschaftlichen Krimis nachgezeichnet. Und dafür Artgenossen besucht, die ganze Jahre in den Bäumen zubringen.

 

 

Die neu bestimmte Art der Weißbrauengibbons - ©  Li Jia-hong

Lehrer Li im Gibbon-Wald - ©  Stefan Schomann
Auch für Vogelkundler sind Yunnans Berge ein Mekka - ©  Stefan Schomann
Immer mehr Straßen durchschneiden die Berge  - ©  Stefan Schomann
Lehrer Li im Gibbon-Wald - ©  Stefan Schomann

Vom Reisen und vom Schreiben

©  Nele Braas

Im Rahmen eines Seminars über Reiseliteratur und –journalismus hat die Lektorin, Übersetzerin und Literaturvermittlerin Alice Grünfelder mit mir ein längeres Gespräch über Fragen des Metiers geführt. Ein bißchen plaudere ich dabei auch aus dem Nähkästchen beziehungsweise Federmäppchen.

 

 

Nächste Runde

Dank der erfreulich starken Nachfrage ist mein Buch über die Geschichte des Roten Kreuzes (Im Zeichen der Menschlichkeit; DVA) bereits in zweiter Auflage erschienen. Die Gesamtauflage beträgt nun rund 24.000. Eine Leseprobe und weitere Informationen zum Thema finden Sie hier.

Die Erstlesung fand im Oktober 2013 im Literaturhaus Stuttgart statt, im Vorfeld der Feierlichkeiten zum 150jährigen Bestehen der Hilfsorganisation. Der Württembergische Sanitätsverein war seinerzeit die weltweit erste nationale Rotkreuzgesellschaft. 

Inzwischen habe ich rund dreißig Lesungen gegeben.



10. Mai: Seoul, Militärhistorisches Institut

15. Mai: Potsdam, Kunsthaus sans titre

21. Juni: Verden, Deutsches Pferdemuseum
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©  Martin Müller