Aktuelles

Der unbequeme Held

Standbild von Isang Yun an der Gedenkstätte in Tongyeong - © Stefan Schomann

Das Musikfestival in südkoreanischen Tongyeong stand dieses Jahr ganz im Zeichen von Isang Yun, der in diesem romantischen Küstenstädtchen aufgewachsen ist. Ein Leben lang hat er darum gerungen, die koreanische Kultur in die Musikgeschichte einzuschreiben – um den Preis, seine Heimat nie wiederzusehen. Begraben liegt er dort, wo er ein zweites Zuhause und eine tragfähige Arbeitsbasis gefunden hatte, in West-Berlin. Draußen in Kladow, wo die amphibische Havellandschaft mit ihren Buchten und Inseln wie ein Tongyeong en miniature anmutet

Im Tagesspiegel habe ich bereits über das Festival berichtet. Zu Yuns 100. Geburtstag im September folgt dann noch eine Sendung im Bayerischen Rundfunk. Anbei ein paar Impressionen.

Konzerthalle Tongyeong - ©  Stefan Schomann

Ein koreanisches Trio mit Zia Shin, Yeol Eum Son und Myung-Wha Chung - © TIMF
Sooja Lee, die Witwe von Isang Yun, war Ehrengast des Festivals - © TIMF
Begleitet vom Hong Kong Chinese Orchestra, singt Yeree Suh Lieder von Isang Yun - © TIMF
Die Totenmaske von Isang Yun in der Gedenkstätte in Tongyeong - ©  Stefan Schomann
Konzerthalle Tongyeong - ©  Stefan Schomann

Der Berg ruft!

©  Stefan Schomann

Das Jodeln hat, wie schon Loriot feststellte, etwas ganz Eigenes. Als musikalische Spezialität des deutschsprachigen Alpenraums besitzt es seinen angestammten Platz in der Folklore, vereinzelt auch in der Kunstmusik, und im Zuge der Weltmusik-Bewegung ist es heute wieder stark im Kommen. Und das nicht nur in alpinen Gefilden, sondern auch in den Niederungen des Flachlandes. Das alternative Milieu das Jodeln als musikalische Spezialität und als therapeutisches Erlebnis. Wobei der „schweizerische Naturjodel“ etwas ganz Besonderes darstellt. Weit weg von der gängigen Volldampf-Folklore, vom manischen Hochgefühl der Virtuosen, berühren diese Lieder ohne Worte vielmehr durch ihren schwermütigen Ernst.
Für die „Welt der Musik“  habe ich mich auf Feldforschung begeben und in die alpine Klanglandschaft hineingelauscht. Zu hören gibt es diese musikalische Reise am Sonntag, 25. Juni um 18.:00 auf NDR Kultur (Wiederholung am 27. Juni um 21:00).

Senntumschellen im Muotatal - ©  Stefan Schomann

Jodelkurs am Timmelsjoch - © Stefan Schomann
Ernst Schilt an den Giessbachfällen - © Stefan Schomann
alter Mektrichter für den allabendlichen Alpsegen - © Stefan Schomann
Flötenzaun auf dem Toggenburger Klangweg - ©  Stefan Schomann
Schellenbaum auf dem Toggenburger Klangweg - © Stefan Schomann
Lithophon von Beat Weyeneth - © Stefan Schomann
Stilleben - © Stefan Schomann
Bauernbub - © Stefan Schomann
Naturtonfestival auf dem Berliner Hahneberg - © Li Na

Italienische Reise

Im Hörverlag ist jetzt ein Hörbuch über unser aller Sehnsuchtsziel herauskommen. Es enthält auch zwei größere Geschichten von mir.

Einmal wandle ich auf den Spuren Antonio Vivaldis durch Venedig – auf Spuren, die merkwürdigerweise kaum mehr auszumachen sind, als hätte er in Wahrheit anderswo gelebt.

Und ich spüre dem Mythos der Dolomiten nach, diesem Inbegriff alpiner Faszination. Die Büllelejoch-Hütte liegt mittendrin im großen Felsentheater und doch ganz gut versteckt.

„Die Sonne, der Wein und der Wind der Zeiten“

©  Stefan Schomann

Armenien, dieses kleine Land am Südhang des Kaukasus, verfügt über alte und fruchtbare musikalische Traditionen. Doch durch die Massenmorde während des Ersten Weltkriegs und sieben Jahrzehnte Sowjetherrschaft war die Verbindung zu diesem Kulturkreis weitgehend unterbrochen. So dass die westliche Welt erst jetzt entdeckt, welche Reichtümer er hervorgebracht hat. Die liturgischen Gesänge gehören zur ältesten schriftlich überlieferten Musik der Welt. Ihre Bedeutung für das kulturelle Überleben der armenischen Nation kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Es ist eine Musik wie vom Grunde der Zeit, von fremdartiger Schönheit und spiritueller Kraft. Darin sind vorchristliche Kulte ebenso aufbewahrt wie die Lieder umherziehender Barden. Zeitgenössische Komponisten wie Tigran Mansurian oder Wache Scharafjan schöpfen aus diesem Fundus, und selbst die Jazz- und Pop-Szene kommt immer wieder darauf zurück. Zugleich todtraurig und voller Lebensfreude, schlägt diese Musik eine Brücke zwischen Orient und Okzident.

In einer knapp einstündigen Sendung unternehme ich eine musikalische Reise nach Armenien. Sie war am 23. und 25. April 2017 in der Reihe "Welt der Musik" auf NDR Kultur zu hören.

Ergänzend erschien im Tagesspiegel ein Beitrag über die herausragende Bedeutung der Musik für die armenische Identität: "Die Heimat des Schmerzes". Anlaß war die Bundestags-Resolution über „die Vertreibung und Vernichtung der Armenier im Osmanischen Reich“. Zahlreiche Kulturschaffende, insbesondere Musiker, haben sich dazu in einem Offenen Brief zu Wort gemeldet. 

and the winner is ...

©  Michel Mossessian

Parallel habe ich mich seit einiger Zeit auch mit der armenischen Diaspora beschäftigt. Und dabei für die Initiative der 100Lives einige Familiengeschichten aufgezeichnet. Ein wahrhaft episches Unterfangen, das eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Shoah-Projekt hat. Zuletzt erschien dort ein Porträt von Hratch Kaprielian.

Ein anderer Gesprächspartner war der Architekt Michel Mossessian. Als Sohn armenischer Flüchtlinge in Paris aufgewachsen, zählt er zu den international gefragtesten Architekten seiner Generation. Nun hat der heute 56jährige einen weiteren Wettbewerb für sich entschieden – den für das Museum des islamischen Glaubens in Mekka. Toutes mes félicitations, Michel! 

Bislang fehlte eine solche Institution in der Pilgerstadt. Jetzt soll dort auf fast 20.000 Quadratmetern eine "Oase des Glaubens" entstehen. 

©  Michel Mossessian

„Orte zu schaffen, denen die Menschen sich zugehörig fühlen“, so umschreibt Mossessian die wichtigste Aufgabe seines Berufsstandes. Vor elf Jahren eröffnete er ein eigenes Büro in London, wo auch einige seiner bedeutendsten Bauten stehen. Zuvor bin ich seiner Arbeit bereits in Katar begegnet, wo er beim Großprojekt von Msheireb im Zentrum von Doha als einer der federführenden Architekten agiert.

 

 

Das Fest der Erzähler

Einmal im Jahr treffen sich Geschichtenerzähler aus ganz China zu einem großen Festival in einem unscheinbaren Dorf in Henan. Mit 1500 Teilnehmern und 300.000 Zuschauern zählt es zu den größten Volkskunstfesten der Welt.

Über alle historischen Umbrüche hinweg ist in China ein unverlierbarer Kern mündlicher Überlieferungen lebendig geblieben. Gemeinsam mit dem Fotografen Justin Jin war ich als erster westlicher Journalist überhaupt bei diesem Festival mit von der Partie und habe dort die Faszination einer uralten Profession erlebt. Sie führt auch an die Ursprünge unseres eigenen Metiers: Sprich mir, o Muse ...

Erschienen ist die Reportage im aktuellen Heft von Terra Mater (Mai/Juni 2017).

 

 

Begegnung mit der dritten Art

© Li Jia-hong

Vor zwei Jahrzehnten vernahm Lehrer Li einen unerhörten Gesang, ein forderndes Flehen aus den Tiefen des Urwalds. Und er verfiel ihm. Wann immer die Bauern ihm zutrugen, sie hätten „die schwarzen Affen“ gehört oder gar gesehen, versuchte er sie aufzustöbern.

Nach acht Jahren in den Bergwäldern Yunnans gelang ihm das erste Foto. Langsam lief die Maschinerie der internationalen Forschungsgemeinschaft an. Am Ende waren Spezialisten aus vier Kontinenten damit befasst. Im Mai 2017 veröffentlichten sie ihre Ergebnisse im American Journal of Primatology. Dorfschullehrer Li Jia-hong hat eine neue Menschenaffenart entdeckt.

Sie gehört zur Familie der Gibbons. Auf chinesischem Gebiet dürften weniger als zweihundert davon leben. Möglich, dass es drüben in Burma noch ein paar mehr gibt, doch darüber weiß man nichts. Verglichen damit scheint die Situation des Großen Panda mit zehnmal so vielen Exemplaren beinah komfortabel.

Im Focus (Heft Nr. 13) habe ich den Hergang dieses wissenschaftlichen Krimis nachgezeichnet. Und dafür Artgenossen besucht, die ganze Jahre in den Bäumen zubringen.

 

 

Die neu bestimmte Art der Weißbrauengibbons - ©  Li Jia-hong

Lehrer Li im Gibbon-Wald - ©  Stefan Schomann
Auch für Vogelkundler sind Yunnans Berge ein Mekka - ©  Stefan Schomann
Immer mehr Straßen durchschneiden die Berge  - ©  Stefan Schomann
Lehrer Li im Gibbon-Wald - ©  Stefan Schomann
©  Stefan Schomann

© Stefan Schomann
©  Stefan Schomann
©  Stefan Schomann
© Stefan Schomann
©  Stefan Schomann

Über die Berge des Balkan

© Stefan Schomann

Albanien, Kosovo, Montenegro – diese Länder sind noch kaum auf der touristischen Landkarte verzeichnet. Seit ein paar Jahren aber werden sie von Naturfreunden entdeckt. Fernwanderwege wie der Peaks of the Balkans Trail bieten den Bergbewohnern nun unverhofft eine wirtschaftliche Perspektive. Zehn Tage lang bin ich dort auf Wanderschaft gegangen. Und erzähle nun am 23. April davon in der Wiener Presse.

 

 

©  Stefan Schomann

©  Stefan Schomann
©  Stefan Schomann
©  Stefan Schomann
©  Stefan Schomann
©  Stefan Schomann

Familienzuwachs

 

"Und doch muß man China als ein unverstandenes,
fast möchte man sagen unbekanntes Land bezeichnen."

Ferdinand Freiherr von Richthofen

 

Seit bald zwanzig Jahren berichte ich nun aus China. Zu meiner Freude kommt jetzt ein hübscher Band mit literarischen Reportagen heraus: China – Streifzüge durch ein Weltreich. Er erzählt, wie Dorfschullehrer Li Jia-hong eine neue Menschenaffenart entdeckte. Oder wie Seilläufer Semaiti Aishan hoch über der Schlucht eine Entscheidung traf. Wie Datong seine Vergangenheit neu erfand und Schanghai seine Zukunft. Und wie Zhao Tao mit der uralten Kunst des Erzählens nicht nur ein ganzes Dorf in ihren Bann zog, sondern ihren künftigen Ehemann gleich mit.

 

Das Buch ist soeben erschienen, in der Reihe Lesereisen des Picus Verlags.

Kanada, du hast es besser!

© Stefan Schomann

Kanada könnte zum heimlichen Gewinner der US-Wahlen werden. Zu keiner Zeit haben sich so viele US-Amerikaner Gedanken über ihre Nachbarn im Norden gemacht wie in den letzten Monaten. Vor allem jene, denen die Vorstellung von Donald Trump als Staatsoberhaupt unerträglich schien. Endzeitstimmung machte sich breit. Viele aufgebrachte Zeitgenossen, darunter etliche Prominente, erklärten, daß sie im Ernstfall nach Kanada auswandern würden.

Ob nun wirklich ein Exodus einsetzt? Amerikas Unbehagen an sich selbst ist jedenfalls merklich gewachsen. Zu verstörend war die Obszönität des Machtkampfes, zu stark der Verdruß über das abgekartete Spiel der Politik, zu unerfreulich die Zwangsgemeinschaft mit zahllosen „häßlichen Amerikanern“, als daß man zur Tagesordnung übergehen könnte. Oben im Norden wartet eine bessere Welt – mehr denn je erscheint Kanada als die zivilisiertere, friedfertigere und lebenswertere Alternative.

In der Focus-Ausgabe zur Präsidentschaftswahl (Heft 46) habe ich ein kleines Psychogramm dieses großen Landes gezeichnet.

 

 

Hollywood hat angerufen

Verlobungsurkunde von Robert Reuven Sokal und Julie Chenchu Yang

Mittlerweile hat ein chinesischer Produzent eine Option auf die Rechte an Letzte Zuflucht Schanghai erworben, das er gemeinsam mit amerikanischen Kollegen verfilmen will. Auch wenn es bis dahin noch ein längerer Prozeß ist, so freut es mich natürlich, daß diese Geschichte, die drei Kontinente miteinander verbindet, einmal mehr ihre Anziehungskraft beweist – und sie sich anschickt, diesen Weg noch einmal zu gehen.

 

 

 

Vom Reisen und vom Schreiben

©  Nele Braas

Im Rahmen eines Seminars über Reiseliteratur und –journalismus hat die Lektorin, Übersetzerin und Literaturvermittlerin Alice Grünfelder mit mir ein längeres Gespräch über Fragen des Metiers geführt. Ein bißchen plaudere ich dabei auch aus dem Nähkästchen beziehungsweise Federmäppchen.

 

 

Nächste Runde

Dank der erfreulich starken Nachfrage ist mein Buch über die Geschichte des Roten Kreuzes (Im Zeichen der Menschlichkeit; DVA) bereits in zweiter Auflage erschienen. Die Gesamtauflage beträgt nun rund 24.000. Eine Leseprobe und weitere Informationen zum Thema finden Sie hier.

Die Erstlesung fand im Oktober 2013 im Literaturhaus Stuttgart statt, im Vorfeld der Feierlichkeiten zum 150jährigen Bestehen der Hilfsorganisation. Der Württembergische Sanitätsverein war seinerzeit die weltweit erste nationale Rotkreuzgesellschaft. 

Inzwischen habe ich rund dreißig Lesungen gegeben.